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Korsika 2008





Für dieses Jahr habe ich mir mal wieder den südlichen GR20 vorgenommen. Von Vizzavona im Norden nach Conca im Süden in sechs Etappen.

Die gleiche Wanderung habe ich bereits zwei Mal gemacht. Das erste Mal 1996 und ein weiteres Mal im Jahre 2004, allerdings in Süd-Nord-Richtung.
Die Jahre zuvor war ich fast immer im Hochsommer unterwegs. Diesmal wollte ich die Tour im September machen.

Donnerstag, den 04.09.2008



Pünktlich um 9:11 Uhr rollte der Zug in den Bahnhof von Corte ein. Die abenteuerliche Fahrt mit der, bis auf den letzten Platz besetzten 'korsischen Eisenbahn', dauerte eine Stunde und kostete mich 5,90 Euro.


Bahnverbindungen


Bahnhof von 'Corte'


Um 10:10Uhr kam ich in Vizzavona an. Hier herrschte ein reger Betrieb. In der Umgebung des Bahnhofs, an dem es auch eine Toilette und die Möglichkeit gibt Trinkwasser zu zapfen, tummelten sich viele Wanderer. Vizzavona ist sowohl als Ausgangspunkt für viele Wanderungen als auch um Proviant nachzukaufen ein idealer Ort. Hier gibt es Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants, die dem erschöpften GR20-Wanderer, der hier seine Tour beendet, oder einen Zwischenstopp einlegt, wieder zu Kräften kommen lassen.



Bahnhof von 'Vizzavona'


Das Wetter war gut. Der Himmel war blau mit einigen weißen Wölkchen und die Temperatur war angenehm. Nachdem ich meine Wanderschuhe angezogen und meinen Rucksack geschultert hatte, machte ich mich auf den Weg. Gegenüber des Bahnhofs stehen schon die ersten Wegweiser und über die Straße aufwärts geht es bis zum Waldrand, wo sich der Weg aufteilt. Rechts ab geht es, wenn man den GR20 in Richtung Norden laufen will. Ich folgte dem Straßenverlauf noch ein kurzes Stück, bis der weiß-rot-markierte Pfad in den Wald abzweigt.
Es wurde immer ruhiger. Die vielen Leute, die in Vizzavona herum liefen, hatten sich in alle Richtungen verteilt. Nur hin und wieder traf ich einen Wanderer. Der schattige Weg verläuft, teils in Kehren, immer aufwärts durch den Wald. Nach knapp zwei Stunden Aufstieg wird der Wald lichter und durch niedriges Buschwerk geht es weiter bergauf. Jetzt werden die schönsten Ausblicke frei und um 12:10Uhr erreichte ich eine Quelle, die mit eiskaltem Wasser für eine schöne Erfrischung sorgte. Man fragt sich, wo hier oben auf dem Berg das kühle Nass herkommt. Nach kurzem Verschnaufen an der Quelle brachte ich noch die letzten paar Höhenmeter hinter mich und gegen 12:20Uhr hatte ich den ersten Aufstieg geschafft. Ich war am 'Col de Palmente' (1650m).



Quelle


Monte d'Oro (2389m)


Hier hat man einen tollen Blick auf den Monte d'Oro und kann sogar die Küste im Osten sehen. Nach kurzer Mittagspause ging es gegen 13:00Uhr weiter. Leicht abwärts geht es vorbei an der 'Bergerie d'Alzeta'. Hier gibt es Trinkwasser. Weiter verläuft der Weg durch den Wald ohne große Höhenunterschiede.
Unterwegs traf ich James, einen Amerikaner aus Atlanta, Georgia, der auch alleine auf Tour war. Wir kamen ins Gespräch und wanderten von da an zusammen. James startete auch in Vizzavona, wo er im letzten Jahr den nördlichen GR20 beendete.





Kurz vor unserem Tagesziel, der Capanelle-Hütte, ging es noch einmal steil aufwärts. Ein Stück die Straße entlang, dann links ab, etwas abwärts und es war geschafft.
Hier war es sehr voll. In der kleinen Hütte sicherten wir uns die letzten freien Plätze. Auch unterhalb, in der 'Gite d'etape' war alles belegt. Viele Zelte standen auf den Biwak-Plätzen. Auf der Terrasse der Gaststätte waren allen Plätze besetzt. Wir bezahlten 5,-Euro für die Übernachtung, reservierten zwei Plätze für das Abendessen und stellten uns an den beiden Duschen in die Schlange. Nach der kalten Dusche fühlten wir uns wieder besser. James und ich setzten uns auf zwei freigewordene Plätze auf der Terrasse und gönnten uns ein Bier. Wir genossen die Aussicht, unterhielten uns und kamen auch schnell mit anderen Wanderern ins Gespräch.
Am Abend bekamen wir in der Gaststätte unsere reservierten Plätze zugewiesen. Es wurde richtig voll in der Gaststätte. Wir saßen mit vier Franzosen am Tisch, mit denen wir uns auf Englisch unterhalten konnten. Das Essen war typisch korsisch: 'Soupe Corse' und Omelette mit Käse und grünen Bohnen, dazu Brot und Wasser. Wir waren mehr als satt und bezahlten je 13,-Euro.
Gegen 20:30Uhr ließen wir den Tag ausklingen und gingen schlafen.



'Refuge de Capanelle' auf 1586m


Freitag, den 05.09.2008



In der Nacht war es sehr windig, trotzdem habe ich relativ gut geschlafen. Um 7:00Uhr stand ich auf, packte alles zusammen und frühstückte. Gegen 8:00Uhr waren wir startklar zur zweiten Etappe. Das Wetter war gut. Blauer Himmel, weiße Wolken, windig, kühl.



Kurz vor dem Aufbruch


Der Weg verläuft durch den Wald das erste Stück aufwärts, dann wieder abwärts, vorbei an der 'Bergerie Traggette'. Von hier hat man einen tollen Blick auf den 'Monte Renoso' (2352m).



'Bergerie de Traggette'
im Hintergrund der
'Monte Renoso' (2352m)




Weiter ging es bergab bis zur Straße, wo wir eine kurze Pause machten.







'Plateau de Gialgone' (1591m)


Rechts weiter, ein kurzes Stück die Straße entlang, bis rechts der markierte Pfad wieder in den Wald abzweigte. Ab jetzt ging es wieder bergauf, aber der schattige Weg ließ sich gut laufen. Ohne große Höhenunterschiede verläuft der Weg weiter durch den Wald. Wir überquerten einige Bäche und machten gegen 12:30Uhr Mittagspause, so dass wir das letzte Stück bis zum 'Col der Verde' frisch gestärkt angehen konnten. Den Pass erreichten wir um 13:25Uhr.



'Col de Verde'


Brunnen am 'Col de Verde'


Hier am 'Col der Verde' (1289m) gibt es eine kleine Gaststätte mit Refuge und einigen Biwak-Plätzen. Es gibt hier sogar warme Duschen und Toiletten mit Klopapier, ein seltener Luxus hier auf dem GR20. Vor unserem Aufstieg zum 'Col de Prati' stärkten wir uns hier noch mit 'Cafè au lait' und 'Orangina'.
Nachdem wir unsere Wasserflaschen am Brunnen aufgefüllt hatten, starteten wir um 14:15Uhr unseren letzten, steilen Aufstieg für heute. Wir überquerten die Straße und folgten den Markierungen des GR20 in den Wald.



Aufstieg zum ...


... 'Col de Prati'


Immer steiler ging es in Kehren aufwärts. Ca. 600 Höhenmeter waren zu bewältigen. Über der Baumgrenze konnten wir wieder tolle Ausblicke genießen.



'Col de
Prati'
(1869m)


Stück für Stück kämpften wir uns immer höher, bis wir nach ca. 2 ½ Stunden den 'Col de Prati' auf 1869m erreichten. Von hier oben hat man einen Top-Blick zur Ostküste.
Das letzte Stück bis zur Prati-Hütte war kein Problem, es ging leicht abwärts und um 17:00Uhr erreichten wir unser Tagesziel.



'Refuge de Prati' (1820m)


Es war ziemlich windig und ich freute mich schon auf einen Platz in der Hütte. Die Freude wurde gedämpft, als wir erfuhren, dass nur noch ein Platz frei war. Da ich mein kleines Zelt mit hatte, war klar, dass James in der Hütte und ich im Zelt übernachten würde.
Beim Gardien reservierten wir für das Abendessen. Für die Biwak-Übernachtung zahlte ich 4,- Euro. Anschließend machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Biwak-Platz. Es ist viel Platz hier an der Prati-Hütte. Viele Zelte standen schon auf der Wiese, windgeschützt, am Rande des Erlengebüschs. Die besten Plätze waren natürlich schon besetzt. Ich suchte mir einen, einigermaßen ebenen Platz und packte meine Sachen aus. Es war so windig, dass ich Schwierigkeiten hatte, mein Zelt aufzubauen. Ich gebe zu, mein Zelt war nicht das teuerste, und dementsprechend war auch die Windfestigkeit. Nachdem ich die Zeltplane über dem Innenzelt befestigte, wurde mein Zelt vom Wind einfach umgedrückt. Wie ein Segel blähte sich dabei die Plane. Es war nichts zu machen, ich packte das Außenzelt wieder weg, in der Hoffnung, dass es nicht regnet und ließ nur das Innenzelt stehen. Das hielt sogar, weil der Wind durch den feinen Netzstoff pfeifen konnte. Ich montierte noch ein paar zusätzliche Sturmleinen und machte mich auf eine ungemütliche Nacht gefasst.



von hier hatte ich einen tollen
Blick auf die Ostküste




Nach dem Kampf mit dem Zelt, bzw. mit dem Wind, ging ich duschen. Hier gibt es eine Dusche und zwei Toiletten.
Um 19.00Uhr gab es Essen. Das Menü war sehr gut. Als Vorspeise wurden Lonzu- und Salamischeiben serviert, dazu Brot. Danach der Hauptgang, eine Schüssel, voll mit Nudeln, Fleisch und Soße. Wir haben nicht alles geschafft, so groß waren die Portionen. Zum Nachtisch gab es korsischen Käse. Das Menü kostete 14,- Euro pro Person.
Um 20:30Uhr ging ich schlafen. Der Wind nahm zu und blies durch mein Zelt. Da mir zu kalt wurde, zog ich meine Jacke an, zog mir die Kapuze über den Kopf und verkroch mich tief in meinen Schlafsack. Die Nacht war nicht angenehm. Der Wind rappelte am Zelt und wehte mir um die Nase.




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Zuletzt geändert am 16.11.2018